Programmieren für einen guten Zweck

05.09.2019 - Lara Kristin Zeitel

Database Studierende der RUB entwickeln eine neue Datenbank für die Bundesvereinigung Kulturelle Teilhabe. Deniz Weißbrodt (r.) gehört zu den Studierenden, die die neue Datenbank programmieren. „Ich finde es klasse, dass ich schon im Studium etwas Sinnvolles bewirken kann“, sagt sie. Matthias Hess von der BVKT, Volker Meier von der Firma Horschler Kommunikation und Pierre Mayr von Sight Deutschland (v.l.n.r.) sind außerdem Teil des Projektes und stärken den Studierenden den Rücken. „Wir haben es hier mit einer klassischen Win-Win-Situation zu tun“, erklärt auch Dr. Christoph Baer vom RUB-Lehrstuhl für Elektronische Schaltungstechnik, der das Projekt mit ins Leben gerufen hat. „Die Studierenden bekommen Credit Points, und die Bundesvereinigung Kulturelle Teilhabe erhält eine neue Datenbank.“

Kostenfreien Zugang zu kulturellen Veranstaltungen

Doch dies wird in einigen Monaten das Ende der Geschichte sein. Sie beginnt bei der erwähnten Bundesvereinigung Kulturelle Teilhabe (BVKT), einem bundesweiten Zusammenschluss von Non-Profit-Organisationen. Die BVKT möchte Bürgerinnen und Bürgern, die nur über ein geringes Einkommen verfügen, den kostenfreien Zugang zu kulturellen Veranstaltungen ermöglichen. Zahlreiche Veranstalter stellen zu diesem Zweck nicht verkaufte Tickets für Theater, Konzerte, Lesungen und so weiter zur Verfügung.

Um die Tickets zu verteilen, nutzt die BVKT eine online-gestützte Datenbank. Mit deren Hilfe können kostenfreie Karten passgenau und gerecht vermittelt werden. „Diese Datenbank beziehungsweise die dazugehörige Software entspricht allerdings nicht mehr den Anforderungen der einzelnen Initiativen, und sie basiert auf einer veralteten Technik“, beschreibt Brigitta Blömeke, Vorstand von Kultur-Pott-Ruhr und Betreiberin der bestehenden Datenbank, die Ausgangssituation. Die Entwicklung einer neuen Software durch ein professionelles Unternehmen wäre teuer und würde die finanziellen Mittel der BVKT übersteigen.

An dieser Stelle taucht Christoph Baer in der Geschichte auf und die von ihm mitgegründete Initiative Sight Deutschland. Sight steht für Special Interest Group on Humanitarian Technology. Hauptziel der hier zusammengeschlossenen jungen Ingenieure ist es, humanitäre Hilfe zu leisten, die technisch geprägt und nachhaltig ist. Bislang half Sight in erster Linie im Ausland, doch es stand von vornherein fest, dass auch im Inland geholfen wird. Nun ist es so weit.

Zufällig unterstützt mit Niklas Janneck ein bei Sight aktiver Student seit einiger Zeit Kultur-Pott-Ruhr in IT Fragen. Er vermittelte den Kontakt. Kurz darauf beschlossen Sight Deutschland, Kultur-Pott-Ruhr und BVKT, die neue Datenbank zum Teil von angehenden Ingenieuren entwickeln zu lassen. Die interessierten Studierende nahmen Anfang September an einem Workshop an der RUB teil.

Hier diskutierten sie zunächst über die Ausrichtung und die Features der neuen Datenbank. Anschließend wurden sie von der ebenfalls beteiligten Firma Horschler Kommunikation fit gemacht für die zu verwendenden Programmiersprachen. Am Ende des Workshops wurden Teilkomponenten der Datenbank an die Studierenden verteilt, die sie nun in Heimarbeit programmieren sollen: bis zum November 2019 mit einer Option auf Verlängerung.

Gelingt ihnen dies, bekommen die Studierenden für das Wintersemester 2019/2020 Credit Points für ihr Studium gutgeschrieben – und die BVKT kann spätestens Ende 2020, nachdem die Einzelkomponenten zusammengefügt wurden, eine neue Datenbank in Betrieb nehmen. Wie gesagt: eine klassische Win-Win-Situation.

„Sollte die Datenbank wie gewünscht funktionieren, haben wir bereits weitere Anfragen aus dem In- und Ausland und werden versuchen, das Konzept der kostenfreien Ticketvermittlung weiter zu verbreiten“, stellt Christoph Baer in Aussicht.

Mehr zu den Kooperationspartnern und zum Projekt gibt es auf der RUB-News-Seite unter https://news.rub.de/studium/2019-09-05-humanitaeres-projekt-programmieren-fuer-einen-guten-zweck. (Foto: RUB/Zeitel)