Im Interview: Prof. Diana Göhringer

18.01.2016 - Meike Klinck

goehringer Staubsaugen und Rasenmähen können sie schon heute. Bald sollen autonome Roboter aber auch anspruchsvollere Aufgaben im Pflegebereich übernehmen. Prof. Diana Göhringer entwickelt für diesen Entwicklungsschritt eine selbstadaptive Rechnerarchitektur, die hohe Rechenleistungen mit niedrigem Energieverbrauch kombiniert. Im Interview berichtet sie über ihre aktuelle Arbeit. weiterlesen



Frau Göhringer, sie leiten die Arbeitsgruppe für Anwendungsspezifische Multiprozessarchitekturen. Worum geht es bei Ihnen genau?

„Wir beschäftigen uns mit dem Entwurf und der Programmierung von heterogenen Rechnerarchitekturen bestehend aus mehreren Prozessoren und Spezialbeschleunigern, zum Beispiel Graphikkarten und Field Programmable Gate Arrays. Einer unserer Forschungsschwerpunkte hierbei ist es Rechnerarchitekturen zu entwerfen, welche sowohl ihre Hardware Architektur als auch die darauf ausgeführte Software zur Laufzeit selbstständig an die Anwendung anpassen können. Hierdurch können sehr flexible Systeme realisiert werden, die zeitgleich eine hohe Energieeffizienz erreichen. Solche Systeme sind beispielsweise sehr hilfreich für autonome Roboter, da man hier für die Datenverarbeitung eine hohe Rechenleistung benötigt. Zum anderen muss der Energieverbrauch möglichst klein sein, damit der Roboter lange autonom sein kann. Des Weiteren benötigt man eine flexible Rechenarchitektur, um schnell und effizient neue Anwendungen realisieren zu können.“

Autonome Roboter könnten schon bald allgegenwärtig sein. Was für Aufgaben zeichnen sich ab, was muss diese neue Generation von Robotern leisten?

„Die möglichen Aufgaben für zukünftige Generationen autonomer Roboter sind vielseitig. Zum einen sieht man schon heute, dass es immer mehr Angebote für Haushaltsroboter gibt, wie beispielsweise Staubsauger- und Rasenmäher-Roboter. Ich bin überzeugt, dass dieser Markt weiter wachsen wird. Zum anderen benötigen wir dringend Lösungen für die Herausforderungen einer immer älter werdenden Gesellschaft und dem Mangel an Pflegepersonal. Autonome Roboter könnten helfen diese Herausforderungen zu überwinden, indem sie gesundheitliche Veränderungen und kritische Situationen rechtzeitig und autonom erkennen können und dann bei Bedarf einen Arzt informieren. Mit meiner Arbeitsgruppe arbeiten wir in dem Forschungsprojekt RADIO zusammen mit anderen Forschern, Firmen und Krankenhäusern aktuell genau an so einem autonomen Roboter-System.“

Wie sieht der Entwicklungsprozess aus und vor welchen Herausforderungen stehen Sie als Wissenschaftlerin dabei?

„Die wissenschaftliche Herausforderung hierbei liegt in der Entwicklung einer selbstadaptiven Rechnerarchitektur, welche die benötigte Rechenleistung für die Sensordatenverarbeitung auf dem mobilen Roboter zur Verfügung stellt und gleichzeitig möglichst wenig Energie verbraucht. Um die oben genannten gesundheitlichen Veränderungen und kritische Situationen zu erkennen, müssen viele Daten von unterschiedlichen Sensoren schnell und energieeffizient verarbeitet werden. Zusätzlich muss das System flexibel auf neue Situationen anpassbar sein. Genau hierfür können die von uns erforschten selbstadaptiven Rechnersysteme eine Lösung darstellen.“

Das Interview führte Meike Klinck im Januar 2016.

Foto: Prof. Diana Göhringer mit einem Prototyp des neuen Roboters. Ein Video, das über die Arbeit der Wissenschaftlerin und ihrem Team berichtet, ist auf YouTube zu finden. Video auf YouTube

Weitere Informationen
Prof. Dr.-Ing. Diana Göhringer
Arbeitsgruppe für Anwendungsspezifische Multiprozessarchitekturen

Tags: Diana Göhringer, Juniorprofessorin, Multiprozessarchitekturen