Im Interview: Prof. Katharina Stapelmann

11.12.2015 - Meike Klinck

stapelmann Sie ist eine Pionierin im Bereich der Plasmamedizin: Juniorprofessorin Katharina Stapelmann forscht mit ihrer Arbeitsgruppe für Biomedizinisch Angewandte Plasmatechnik seit Februar 2015 an unserer Fakultät. Im Interview berichtet sie über die Wundheilung mithilfe von Plasmen, das unterschiedliche Vokabular im interdisziplinären Forschungsteam und verrät, was sie antreibt. weiterlesen



Sie verbinden mit Ihrer Arbeit die Plasmatechnik mit der Biomedizin. Worum geht es dabei?

„Dazu zählen verschiedene Anwendungsgebiete, wie zum Beispiel die Wundheilung mit Plasmen oder die Sterilisation von medizinischen Instrumenten. Auch die Abtötung von Keimen in der Raumluft oder auf Oberflächen zählt dazu, beides interessante Anwendungen für Krankenhäuser.“

Selbst chronische Wunden sollen mit Hilfe von Plasmen besser heilen. Wie funktioniert das genau?

„Genau an der Fragestellung arbeiten wir gerade im DFG-Paket ‚Plasma Cell Interactions in Dermatology’, kurz PlaCID. Was wir bisher wissen ist, dass das Plasma die Keimbelastung in der Wunde senkt, so dass der Körper wieder selber mit der Immunabwehr ‚Herr der Lage’ wird. Zusätzlich wird durch das Plasma Stickstoffmonoxid, also NO, produziert, welches auch ein körpereigenes Triggermolekül ist und zum Beispiel ausgeschüttet wird, wenn das Immunsystem gefordert wird. Gerade bei chronischen Wunden ist der NO Metabolismus gestört, so dass wir mit einer Zugabe von außen den körpereigenen Mechanismus zur Wundheilung wieder in Gang setzen können. Zusätzlich ist bei chronischen Wunden üblicherweise der pH-Wert erhöht, was dazu führt, dass sich Bakterien wohler fühlen. Mit dem Plasma erniedrigen wir den pH-Wert in der Wunde und zerstören damit die Wohlfühlumgebung für die Bakterien, erreichen wieder den Wert des natürlichen Säureschutzmantels der Haut. Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass das Plasma hauptsächlich die körpereigenen Funktionen unterstützt und dem Körper hilft, sich selbst zu heilen.“

Das klingt nach intensiver fachübergreifender Zusammenarbeit. Wie sieht Ihr Forschungsalltag aus?

„Wir arbeiten sehr interdisziplinär, was sich auch in der Konstellation der Forschungspartner in den einzelnen Projekten widerspiegelt. In dem Projekt PlaCID wird die Plasma-Zell-Interaktion für dermatologische Anwendungen mit Plasma untersucht und dort arbeiten wir zusammen mit der Physikalischen Chemie II und der Experimentalphysik II an der RUB sowie mit der Klinik für Unfall- und Handchirurgie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Im Projekt PlasmaDECON geht es um die molekularen Wirkmechanismen bei der Plasmasterilisation, hier arbeiten wir zusammen mit der Angewandten Mikrobiologie und der AG Gekoppelte Plasma-Festkörpersysteme der RUB und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln. Anfangs brauchten wir eine gewisse Zeit, um uns zu verstehen. Da mussten wir schon noch ein paar Vokabeln lernen. Mittlerweile haben wir uns aber gut eingefunden und erleben die interdisziplinäre Forschung auf jeden Fall als Bereicherung!“

Eine letzte Frage: Als Forscherin sind sie immer auf der Suche nach Neuem. Was treibt Sie an?

„Die Plasmamedizin ist ein vergleichbar junges Forschungsfeld mit sehr vielversprechenden Anwendungsgebieten. Auch wenn es jetzt etwas hochgegriffen klingt, so kann Plasma doch bei verschiedenen Herausforderungen der heutigen Gesellschaft einen Beitrag leisten. Durch den demografischen Wandel werden immer mehr Patienten chronische Wunden bekommen, die Antibiotikaresistenz und Infektionen im Krankenhaus sind ein Riesenproblem (Stichwort MRSA) und auch gegen die Volkskrankheit Krebs könnte Plasma einen Beitrag leisten – da ist die Forschung allerdings noch sehr am Anfang, wenn auch vielversprechend. Und das treibt mich an, nach neuen Anwendungen zu suchen und einen kleinen Beitrag zu leisten, um ein paar Probleme unserer heutigen Zeit zu lösen.“

Frau Stapelmann, vielen herzlichen Dank für das Gespräch!


Das Interview führte Meike Klinck im Dezember 2015.

Foto (von links): Björn Offerhaus (Mathematik), Jan-Wilm Lackmann (Biologie), Katharina Stapelmann, Friederike Kogelheide (beide Elektrotechnik) und Vera Bracht (Physik)

Weitere Informationen
Prof. Dr.-Ing. Katharina Stapelmann
Arbeitsgruppe für Biomedizinisch Angewandte Plasmatechnik

Tags: Juniorprofessorin, Katharina Stapelmann, plasma