Rosetta ist erwacht

24.01.2014 - Meike Klinck

rosetta Es ist eine Mission von historischer Bedeutung: Im November 2014 soll die ESA-Kometensonde Rosetta mit ihrer Landeeinheit Philae erstmals unter anderem das Innere eines Kometenkerns untersuchen. Am Programm beteiligt ist auch Prof. Peter Edenhofer (Forschungsgruppe Antennen und Wellenausbreitung) in dem international besetzten Experimentatorenteam CONSERT. weiterlesen

Nach über zwei Jahren im energiesparenden Tiefschlaf ist Rosetta seit dem 20. Januar 2014 um 19:18 Uhr MEZ wieder „erwacht“. Das erfolgreiche WAKE-UP-Verfahren in dieser Woche war ein riskanter Meilenstein der Mission der europäischen Weltraumorganisation ESA. Schließlich hat sich die Sonde bereits im März 2004 auf den langen Weg gemacht. Ihre Entfernung zur Erde beträgt mittlerweile rund 800 Millionen Kilometer, das entspricht der fünffachen Distanz von der Erde bis zur Sonne. Eine Kommunikation in Echtzeit ist nicht möglich, allein die Signallaufzeiten betragen derzeit etwa eine Stunde.

Signallaufzeiten vermessen

Das Experimentatorenteam CONSERT (Cometary Nucleus Sounding Experiment by Radiowave Transmission) unter der Leitung von Prof. Wlodek Kofman (Universität Grenoble) ist mit einem hochkomplexen Radar-Transmissionsexperiment beteiligt. „Ausgehend vom Orbiter Rosetta mit seinem Lander Philae als Transponder sollen im wesentlichen die Signallaufzeiten tomografisch vermessen werden, die pro Umlaufbahn im Kometenkern bei den orbiterabgewandten Okkultationsstellungen des Landers auftreten“, so Prof. Edenhofer. Er war bereits 1986 bei der ersten ESA-Kometenmission Giotto mit ihrem Vorbeiflug am Kometen Halley als Teamleiter eines Radio Science Experiments beteiligt.

90-MHz-Antennensystem - Datenauswertung

dachic „Unsere Aufgabe in der RUB besteht im Wesentlichen darin, beim rechnergestütztem Entwurf und der Vermessung des orbiter- und landerseitigen 90-MHz-Antennensystems mit zirkularar Polarisation mitzuwirken“; berichtet Prof. Edenhofer. „Herausfordernd dabei sind unter anderem Strahlungskopplungseffekte zu den zwei Sonnenpaddeln, dem Landegestell und Kometenboden.“ Hinzu kommen Computer-, Labor- und Freifeldsimulationen zusammen mit der wissenschaftlichen Auswertung der zu erwartenden Fernerkundungsmessungen (Remote Sensing) mit Hilfe teils selbstentwickelter hochauflösender und numerisch stabiler Inversionsalgorithmen. Die Datenauswertung erfolgt unter anderem in Zusammenarbeit mit Prof. Dirk Plettemeier vom Lehrstuhl Hochfrequenztechnik der TU Dresden.

Testmessungen in I-Reihe

„Wir haben das Lander-Labormodell übrigens auf dem Antennen-Dachlabor unseres damaligen Fakultätsgebäudes IC auf dem RUB-Campus vermessen“, so Prof. Edenhofer. Das Foto zeigt das auf einem Antennendrehstand montierte Modell mit dem seitlich ausgerichteten dreifüßigen Landegestell. Die Landerantenne ist in einer leichtgewichtigen Monopol-Konstruktion schiefwinklig zur Mantelfläche des Zentralkörpers angebracht. Die Testmessungen zur Simulation der Übertragungsstrecke Orbiter (zweifache Kreuzdipolkonstruktion) zum Lander erfolgte übrigens von Dach zu Dach zwischen den Gebäuden IC und IB.

Weitere Informationen

Im Web sind auf den Seiten der europäischen Weltraumorganisation ESA und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt detaillierte Informationen zur Mission zu finden. Auf YouTube liefert ein Kurzfilm mit dem Titel „Mission ins Ungewisse – Der Kometenjäger Rosetta“ des DLR die passenden Bilder.

Prof. Dr.-Ing. Peter Edenhofer
edh@hf.rub.de, ID 1/147

Fotos: Copyright ESA

Tags: esa, Peter Edenhofer, Rosetta